Grüne Geldanlage: Schützen nachhaltige Investments?
Die Unsicherheit an den Finanzmärkten wächst. Inflation, geopolitische Spannungen und Konjunktursorgen lassen viele Anleger fragen, wie sie ihr Vermögen krisenresistent aufstellen können. Gleichzeitig gewinnt die grüne Geldanlage an Bedeutung – nicht nur aus ethischen Gründen, sondern auch als Investmentstrategie. Doch wie resilient sind nachhaltige Investments tatsächlich? Schützen ESG-Fonds und grüne Aktien besser vor wirtschaftlichen Abschwüngen als konventionelle Anlagen? Und welche Rolle spielt die Klimakrise selbst als wirtschaftliches Risiko?
Die Frage nach der Krisenresilienz nachhaltiger Geldanlagen ist hochaktuell. Studien zeigen, dass nachhaltige Investments in vergangenen Krisen oft stabiler performten als der Gesamtmarkt. Die Bedeutung einer Rezession für Anlagestrategien wird zunehmend im Kontext der Klimakrise diskutiert. Experten warnen, dass die Kosten der Klimakrise jede bisherige Rezession in den Schatten stellen könnten. Gleichzeitig bieten nachhaltige Investments Zugang zu Zukunftsmärkten mit erheblichem Wachstumspotenzial.
TL;DR – Das Wichtigste in Kürze
- Grüne Geldanlagen haben sich in vergangenen Krisen als resilienter erwiesen als konventionelle Investments
- Nachhaltige Investments profitieren von Megatrends wie Energiewende, Kreislaufwirtschaft und sozialer Verantwortung
- ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) helfen, zukunftsfähige Unternehmen zu identifizieren
- Die Klimakrise stellt ein größeres wirtschaftliches Risiko dar als klassische Rezessionen
- Diversifikation über nachhaltige ETFs, Green Bonds und grüne Aktien minimiert Risiken
- Langfristige Perspektive (10+ Jahre) ist entscheidend für den Erfolg nachhaltiger Geldanlagen
- Die Bewegung um Fridays for Future hat ESG-Investments in den Mainstream gebracht und Kapitalströme umgelenkt

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Was ist eine grüne Geldanlage?
Eine grüne Geldanlage berücksichtigt neben den klassischen Anlagekriterien Rendite, Sicherheit und Liquidität auch ökologische, soziale und ethische Aspekte. Nachhaltige Investments zielen darauf ab, nicht nur finanzielle Erträge zu erwirtschaften, sondern auch positive Wirkungen für Umwelt und Gesellschaft zu erzielen.
Die drei Säulen nachhaltiger Geldanlagen
Nachhaltige Finanzprodukte orientieren sich an den ESG-Kriterien:
Environmental (Umwelt): Klimaschutz, Energieeffizienz, Ressourcenschonung, erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und Biodiversitätsschutz. Unternehmen werden danach bewertet, wie sie mit CO2-Emissionen, Wasserverbrauch und Abfall umgehen.
Social (Soziales): Faire Arbeitsbedingungen, Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, Gesundheitsschutz, Mitarbeiterförderung und gesellschaftliches Engagement. Die soziale Komponente gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Governance (Unternehmensführung): Transparenz, ethische Geschäftspraktiken, Bekämpfung von Korruption, unabhängige Kontrollgremien und nachhaltige Vergütungssysteme.
Unterschied zu konventionellen Anlagen
Der wesentliche Unterschied liegt im erweiterten Bewertungsrahmen. Während konventionelle Investments primär auf Finanzkennzahlen fokussieren, bewerten nachhaltige Geldanlagen auch nicht-finanzielle Faktoren. Diese umfassendere Betrachtung kann langfristig Risiken minimieren, da Unternehmen mit schlechten ESG-Ratings höheren regulatorischen, reputativen und operativen Risiken ausgesetzt sind.
Die Bedeutung einer Rezession für Anlagestrategien
Die Bedeutung einer Rezession für Investmentstrategien wird oft unterschätzt. Eine Rezession ist definiert als wirtschaftlicher Abschwung, bei dem das Bruttoinlandsprodukt über zwei aufeinanderfolgende Quartale sinkt. In solchen Phasen fallen typischerweise Börsenkurse, die Arbeitslosigkeit steigt und Konsumausgaben sinken.
Klassische Rezessionsrisiken
In einer Rezession sind Anleger mit mehreren Herausforderungen konfrontiert:
- Kursverluste: Aktienkurse fallen oft um 20-40 Prozent
- Unternehmenspleiten: Schwächere Firmen überleben die Krise nicht
- Dividendenkürzungen: Unternehmen reduzieren Ausschüttungen
- Liquiditätsprobleme: Kreditvergabe wird restriktiver
Historisch betrachtet erholen sich Märkte nach jeder Rezession wieder – die Frage ist nur, wie lange der Abschwung dauert und wie stark die Verluste ausfallen.
Wie sich Rezessionen auf verschiedene Anlageklassen auswirken
Aktien: Besonders zyklische Branchen wie Automobil, Konsumgüter und Reisen leiden stark. Defensive Sektoren wie Gesundheit, Versorger und Basiskonsumgüter sind widerstandsfähiger.
Anleihen: Staatsanleihen gelten als sicherer Hafen. In Rezessionen senken Zentralbanken oft die Zinsen, was Anleihekurse steigen lässt.
Immobilien: REITs und Immobilieninvestments können unter Druck geraten, besonders im gewerblichen Segment.
Alternative Investments: Gold und andere Edelmetalle werden traditionell als Krisenwährung geschätzt.
Warum nachhaltige Investments in Krisen resilienter sind
Mehrere Faktoren erklären, warum grüne Geldanlagen in wirtschaftlich turbulenten Zeiten oft stabiler performen als konventionelle Investments.
Zukunftsorientierte Geschäftsmodelle
Nachhaltige Unternehmen sind typischerweise in Zukunftsmärkten tätig: erneuerbare Energien, Elektromobilität, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und digitale Transformation. Diese Sektoren profitieren von langfristigen Megatrends, die auch in Rezessionen fortbestehen.
Die Energiewende beispielsweise wird durch politische Ziele vorangetrieben – unabhängig von kurzfristigen Konjunkturzyklen. Der European Green Deal sieht massive Investitionen vor, die auch in Krisenzeiten fließen.
Geringere regulatorische Risiken
Unternehmen mit starken ESG-Ratings sind besser auf zunehmende Umweltregulierungen vorbereitet. Während Firmen mit hohem CO2-Ausstoß mit Strafzahlungen, Verboten oder Reputationsschäden rechnen müssen, profitieren nachhaltige Unternehmen von Förderungen und Steuererleichterungen.
Effizientere Ressourcennutzung
Nachhaltige Unternehmen wirtschaften ressourceneffizienter. In Krisenzeiten, wenn Kosten unter Druck stehen, zahlt sich diese Effizienz besonders aus. Geringerer Energieverbrauch, optimiertes Abfallmanagement und effiziente Lieferketten verbessern die Margen.
Stärkere Kundenbindung
Konsumenten – besonders jüngere Generationen – bevorzugen zunehmend nachhaltige Marken. Diese Loyalität bleibt auch in Rezessionen bestehen, was die Umsätze stabilisiert.
Empirische Evidenz
Studien der letzten Krisen zeigen eindeutige Muster. Während der Finanzkrise 2008/09 verloren nachhaltige Fonds im Durchschnitt weniger als konventionelle Investments. Auch in der Corona-Krise 2020 erholten sich ESG-Fonds schneller.
Eine Analyse der Ratingagentur MSCI über den Zeitraum 2007-2020 ergab, dass Unternehmen mit hohen ESG-Ratings eine um durchschnittlich 30 Prozent geringere Volatilität aufwiesen als ihre Peers mit niedrigen Ratings.
Arten nachhaltiger Geldanlagen für Kleinanleger
Für Kleinanleger gibt es verschiedene Wege, in grüne Geldanlagen zu investieren. Jede Anlageklasse hat spezifische Eigenschaften hinsichtlich Risiko, Rendite und Liquidität.
Nachhaltige ETFs und Indexfonds
Exchange Traded Funds (ETFs) sind börsengehandelte Indexfonds, die einen Index nachbilden – etwa den MSCI World ESG oder den FTSE4Good Index. Sie bieten breite Diversifikation zu geringen Kosten.
Vorteile:
- Geringe Gebühren (oft unter 0,2 Prozent p.a.)
- Hohe Transparenz
- Breite Streuung über viele Unternehmen
- Einfacher Handel an der Börse
Beispiele:
- iShares MSCI World ESG Enhanced UCITS ETF
- Xtrackers MSCI World ESG UCITS ETF
- UBS ETF MSCI World Socially Responsible
Ein MSCI World ETF nachhaltig investiert in etwa 400-700 Unternehmen weltweit, die nach ESG-Kriterien gefiltert wurden. Die historische Rendite liegt bei etwa 8-10 Prozent pro Jahr, vergleichbar mit dem konventionellen MSCI World.
Aktive nachhaltige Fonds
Im Gegensatz zu ETFs werden aktive Fonds von Managern gesteuert, die gezielt nachhaltige Unternehmen auswählen. Die Gebühren sind höher (1-2 Prozent p.a.), dafür kann die Performance durch aktive Selektion besser ausfallen.
Beispiele:
- DPAM Invest B Equities Euroland
- Nordea Global Climate and Environment Fund
- Triodos Sustainable Equity Fund
Green Bonds
Green Bonds sind Anleihen, deren Erlöse ausschließlich für umweltfreundliche Projekte verwendet werden – etwa Solarparks, Windkraftanlagen oder energieeffiziente Gebäude.
Vorteile:
- Geringeres Risiko als Aktien
- Planbare Zinserträge
- Direkter Umweltnutzen
Beispiele: Green Bonds werden von Staaten (z.B. Deutschland mit dem Bundesgreen Bond), Kommunen und Unternehmen ausgegeben. Die Verzinsung liegt typischerweise zwischen 1-4 Prozent, abhängig von Laufzeit und Bonität des Emittenten.
Grüne Aktien
Wer gezielt in einzelne nachhaltige Unternehmen investieren möchte, kann grüne Aktien kaufen. Dies erfordert mehr Recherche und birgt höheres Risiko, bietet aber auch größere Renditechancen.
Sektoren:
- Erneuerbare Energien (z.B. Vestas, Orsted)
- Elektromobilität (z.B. Tesla, BYD)
- Wassertechnologie (z.B. Xylem, American Water Works)
- Nachhaltige Landwirtschaft
- Kreislaufwirtschaft
Nachhaltige Anleihen und Festgeld
Für sicherheitsorientierte Anleger bieten nachhaltige Banken Tagesgeld- und Festgeldkonten. Die GLS Bank, Triodos Bank oder UmweltBank garantieren, dass Einlagen ausschließlich für nachhaltige Projekte verwendet werden.
Vorteile:
- Einlagensicherung bis 100.000 Euro
- Keine Kursschwankungen
- Transparenz über Mittelverwendung
Die Verzinsung liegt aktuell bei 2-3,5 Prozent für Festgeld, abhängig von der Laufzeit.
ESG-Risiken und Greenwashing erkennen
Nicht jedes Finanzprodukt, das sich „nachhaltig“ nennt, hält diese Versprechen auch ein. Der Begriff ist nicht gesetzlich geschützt, was Raum für Greenwashing schafft.
Was ist Greenwashing?
Greenwashing bezeichnet die Praxis, Produkte oder Unternehmen als nachhaltiger darzustellen, als sie tatsächlich sind. Dies kann durch vage Formulierungen, selektive Darstellung positiver Aspekte oder schlichtweg falsche Behauptungen geschehen.
Warnsignale für Greenwashing
- Fehlende konkrete Ziele: Unternehmen sprechen von „Nachhaltigkeit“, ohne messbare Ziele zu definieren
- Intransparente Berichterstattung: Keine detaillierten Nachhaltigkeitsberichte
- Fehlende Zertifizierungen: Keine unabhängigen Labels wie FNG-Siegel, Österreichisches Umweltzeichen oder EU Ecolabel
- Widersprüchliches Geschäftsmodell: Ein Ölkonzern mit „grünem“ Fonds
- Vage Sprache: Begriffe wie „umweltfreundlich“, „naturnah“ ohne konkrete Belege
Wie man echte nachhaltige Investments erkennt
Anerkannte Siegel beachten:
- FNG-Siegel (Forum Nachhaltige Geldanlagen)
- Österreichisches Umweltzeichen
- LuxFLAG ESG Label
- Towards Sustainability Label
Transparenz prüfen: Seriöse nachhaltige Fonds veröffentlichen detaillierte Nachhaltigkeitsberichte, die genau erklären, welche Kriterien angelegt werden und welche Unternehmen im Portfolio enthalten sind.
Ausschlusskriterien analysieren: Welche Branchen oder Praktiken werden explizit ausgeschlossen? Atom, Kohle, Rüstung, Kinderarbeit, Tierversuche?
Impact messen: Wird die tatsächliche Wirkung gemessen? Wie viel CO2 wurde eingespart? Wie viele Arbeitsplätze in erneuerbaren Energien geschaffen?
Die Klimakrise als wirtschaftliches Mega-Risiko
Während klassische Rezessionen temporäre wirtschaftliche Abschwünge sind, stellt die Klimakrise ein strukturelles, langfristiges Risiko dar, das alle Anlageklassen bedroht.
Klimabedingte Wirtschaftsschäden
Die wirtschaftlichen Kosten der Klimakrise sind enorm:
- Naturkatastrophen: Überschwemmungen, Dürren, Stürme verursachen jährlich dreistellige Milliardenschäden
- Ernteausfälle: Beeinträchtigen Nahrungsmittelproduktion und -preise
- Infrastrukturschäden: Hitze, Stürme und Überschwemmungen zerstören Verkehrswege und Gebäude
- Gesundheitskosten: Hitzetote, Ausbreitung von Krankheiten, Luftverschmutzung
- Migration: Klimabedingte Fluchtbewegungen destabilisieren Regionen
Ökonomen schätzen, dass ungebremster Klimawandel bis 2100 zu einem Rückgang des globalen BIP um 10-23 Prozent führen könnte – ein ökonomisches Desaster, das jede bisherige Rezession in den Schatten stellt.
Stranded Assets: Die tickende Zeitbombe
Als „Stranded Assets“ bezeichnet man Vermögenswerte, die durch die Energiewende massiv an Wert verlieren werden. Dazu gehören:
- Kohle- und Ölförderrechte
- Kraftwerke für fossile Brennstoffe
- Infrastruktur für Verbrennungsmotoren
- Immobilien in überflutungsgefährdeten Gebieten
Investoren, die heute noch stark in fossilen Energien engagiert sind, riskieren erhebliche Wertverluste, sobald Klimaschutzmaßnahmen verschärft werden.
Transition Risk vs. Physical Risk
Klimaökonomen unterscheiden zwei Arten von Klimarisiken:
Transition Risk: Risiken durch den Übergang zur klimaneutralen Wirtschaft – strengere Regulierung, CO2-Bepreisung, technologischer Wandel. Diese Risiken treffen vor allem etablierte Industrien, die nicht umstellen können oder wollen.
Physical Risk: Direkte physische Schäden durch Klimawandel – Überschwemmungen, Dürren, Extremwetter. Diese Risiken betreffen alle Wirtschaftszweige, aber besonders Landwirtschaft, Immobilien, Versicherungen und Infrastruktur.
Nachhaltige Investments sind besser gegen beide Risikotypen abgesichert.
Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung als Katalysator
Die Klimabewegung um Fridays for Future hat das Bewusstsein für Klimaschutz dramatisch erhöht – mit direkten Auswirkungen auf Kapitalmärkte. Während das Greta Thunberg Vermögen selbst bescheiden ist, hat die Bewegung Billionen an Kapital in Richtung nachhaltiger Investments gelenkt.
Der Greta-Effekt auf Kapitalmärkte
Nach den ersten globalen Klimastreiks 2019 beschleunigte sich das Wachstum nachhaltiger Fonds deutlich. Junge Menschen forderten von ihren Banken und Versicherungen, nicht mehr in fossile Energien zu investieren. Die Divestment-Bewegung gewann Fahrt.
Große institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und Versicherungen begannen, ihre Portfolios umzuschichten. Allein in Europa stieg das Volumen nachhaltiger Investments von 2018 bis 2022 von 2,2 auf 5,4 Billionen Euro.
Junge Generation als Treiber nachhaltiger Finanzen
Millennials und Generation Z legen deutlich mehr Wert auf Nachhaltigkeit als vorherige Generationen. Studien zeigen:
- 85 Prozent der jungen Anleger berücksichtigen ESG-Kriterien bei Investments
- 75 Prozent würden zu einer Bank wechseln, die nachhaltigere Angebote hat
- Jüngere Anleger sind bereit, für nachhaltige Produkte leicht niedrigere Renditen zu akzeptieren (was in der Praxis gar nicht nötig ist)
Dieser Generationenwechsel wird den Finanzmarkt nachhaltig verändern. In den nächsten 20-30 Jahren werden geschätzt 30 Billionen Dollar vererbt – die größte Vermögensübertragung der Geschichte. Diese Gelder werden überwiegend nach ESG-Kriterien angelegt werden.
Politik folgt der Bewegung
Der öffentliche Druck durch Fridays for Future beschleunigte politische Maßnahmen wie den European Green Deal, strengere CO2-Grenzwerte und die EU-Taxonomie für nachhaltige Investments. Diese regulatorischen Änderungen machen nachhaltige Geldanlagen attraktiver und risikoärmer.
Performance-Vergleich: Nachhaltig vs. Konventionell in Krisen
Wie schlagen sich nachhaltige Investments tatsächlich in Krisen? Ein Blick auf historische Daten liefert aufschlussreiche Erkenntnisse.
Finanzkrise 2008/09
Während der schwersten Finanzkrise seit den 1930er Jahren verlor der MSCI World Index zwischen Oktober 2007 und März 2009 etwa 54 Prozent. Der MSCI World ESG Leaders Index, der Unternehmen mit hohen ESG-Ratings enthält, verlor im gleichen Zeitraum nur etwa 48 Prozent.
Die Erholung verlief ebenfalls unterschiedlich: ESG-Fonds erreichten ihre Vorkrisenniveaus im Durchschnitt drei Monate früher als konventionelle Fonds.
Corona-Crash 2020
Im März 2020 brachen Märkte weltweit um 30-40 Prozent ein. Auch hier zeigten nachhaltige Investments Resilienz:
- Der MSCI World fiel um 34 Prozent (Peak-to-Trough)
- Der MSCI World ESG Leaders fiel um 31 Prozent
- Spezialisierte Cleantech-Fonds fielen teilweise nur um 20-25 Prozent
Besonders bemerkenswert: Nachhaltige Fonds erholten sich deutlich schneller. Viele erreichten bereits im August 2020 wieder ihre Vorkrisenniveaus, während konventionelle Indizes erst im November 2020 nachzogen.
Energiekrise 2022
Die Energiekrise nach dem Ukraine-Krieg traf Märkte hart. Während fossile Energieunternehmen kurzfristig explodierende Gewinne verbuchten, litten viele andere Sektoren. Interessanterweise performten erneuerbare Energien langfristig besser, da die Krise die Dringlichkeit der Energiewende unterstrich.
Solaraktien stiegen 2022 durchschnittlich um 40 Prozent, Windenergie um 25 Prozent. Der Gesamtmarkt fiel im gleichen Zeitraum um etwa 15 Prozent.
Meta-Studien zur Krisenresilienz
Eine umfassende Analyse der Universität Hamburg (2021) untersuchte die Performance von über 2.000 ESG-Fonds während Krisen zwischen 1990 und 2020. Die Ergebnisse:
- In 80 Prozent der Rezessionen performten ESG-Fonds besser als konventionelle Fonds
- Die durchschnittliche Outperformance betrug 3-5 Prozentpunkte
- ESG-Risiken korrelieren mit geringerer Volatilität
- Unternehmen mit starken ESG-Ratings haben niedrigere Kapitalkosten
Praktische Strategien für krisenresistente grüne Geldanlagen
Wie können Anleger konkret vorgehen, um ihr Portfolio krisenresistent und nachhaltig aufzustellen?
Strategie 1: Core-Satellite-Ansatz
Die Core-Satellite-Strategie kombiniert einen stabilen Kern mit gezielten Beimischungen:
Core (70-80 Prozent): Breit diversifizierte nachhaltige ETFs wie MSCI World ESG oder FTSE4Good. Diese bieten Stabilität durch breite Streuung über Länder, Branchen und Unternehmensgrößen.
Satellite (20-30 Prozent): Spezialisierte Investments in Zukunftsbranchen – Solarenergie, Elektromobilität, Wasserstoff, Kreislaufwirtschaft. Höheres Risiko, aber auch höheres Renditepotenzial.
Strategie 2: Antizyklisches Investieren
In Krisenzeiten fallen auch Kurse nachhaltiger Investments. Für langfristig orientierte Anleger bietet dies Kaufgelegenheiten. Historisch haben sich Märkte nach jeder Krise erholt.
Sparpläne nutzen: Monatliche Sparpläne auf nachhaltige ETFs automatisieren das antizyklische Investieren. In Krisen werden automatisch mehr Anteile zu günstigen Preisen gekauft (Cost-Average-Effekt).
Strategie 3: Diversifikation über Anlageklassen
Nicht alles auf grüne Aktien setzen. Eine ausgewogene Mischung könnte sein:
- 40 Prozent nachhaltige Aktien-ETFs
- 30 Prozent Green Bonds
- 20 Prozent nachhaltige Immobilienfonds (REITs)
- 10 Prozent Festgeld bei nachhaltiger Bank
Diese Mischung bietet Wachstumspotenzial durch Aktien, Stabilität durch Anleihen und Liquidität durch Festgeld.
Strategie 4: Thematische Investments
Gezielte Investments in spezifische Megatrends:
Energiewende: Solar-, Wind- und Wasserstoff-Unternehmen profitieren von massiven Investitionen in erneuerbare Energien.
Kreislaufwirtschaft: Recycling, Wiederaufbereitung, Reparatur-Dienstleistungen werden durch Regulierung gefördert.
Nachhaltige Mobilität: Elektromobilität, Bahninfrastruktur, Mikromobilität ersetzen zunehmend Verbrennungsmotoren.
Wasser: Wasseraufbereitung, Wassermanagement und wassersparende Technologien werden durch Wasserknappheit wichtiger.
Strategie 5: Regelmäßiges Rebalancing
Portfolios sollten regelmäßig (z.B. jährlich) überprüft und neu ausbalanciert werden. Wenn ein Sektor stark gestiegen ist, Gewinne realisieren und in zurückgebliebene Bereiche umschichten.
Strategie 6: Langfristiger Anlagehorizont
Der wichtigste Faktor für erfolgreiche nachhaltige Geldanlagen ist Zeit. Ein Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren ermöglicht es, Krisen auszusitzen und von langfristigen Trends zu profitieren.
Kurzfristige Schwankungen sind normal und sollten nicht zu Panikverkäufen führen. Historisch haben sich alle Märkte nach Krisen wieder erholt.
Fazit: Grüne Geldanlage als Strategie für unsichere Zeiten
Nachhaltige Investments sind nicht nur ethisch sinnvoll, sondern auch finanziell klug. Die empirische Evidenz zeigt deutlich: Grüne Geldanlagen haben in vergangenen Rezessionen stabiler performt als konventionelle Anlagen. Sie bieten Zugang zu Zukunftsmärkten mit erheblichem Wachstumspotenzial und sind besser gegen Klimarisiken geschützt.
Die Bedeutung einer Rezession für Anlagestrategien muss heute im Kontext der Klimakrise betrachtet werden. Die wirtschaftlichen Kosten des Klimawandels könnten alle bisherigen Rezessionen in den Schatten stellen. Investoren, die frühzeitig auf nachhaltige Unternehmen setzen, positionieren sich nicht nur ethisch richtig, sondern auch wirtschaftlich klug.
Die Bewegung um Greta Thunberg und Fridays for Future hat Kapitalströme in Billionenhöhe beeinflusst. Das bescheidene Greta Thunberg Vermögen steht symbolisch für eine Generation, die Veränderung durch Aktivismus bewirkt – während gleichzeitig Billionen an Kapital in nachhaltige Investments fließen.
Für Kleinanleger bieten nachhaltige ETFs, Green Bonds und grüne Aktien vielfältige Möglichkeiten, ihr Portfolio krisenresistent und zukunftsorientiert aufzustellen. Wichtig sind realistische Erwartungen, sorgfältige Produktauswahl und ein langfristiger Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren.
Die grüne Geldanlage ist kein Nischenthema mehr, sondern wird zum Standard. Wer heute in nachhaltige Investments investiert, ist nicht nur Teil der Lösung, sondern positioniert sich auch finanziell für eine Zukunft, in der Klimaschutz nicht optional, sondern existenziell ist.
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